Archiv für Mai 2013

AUFRUF GEGEN DEN NAZIAUFMARSCH IN KIRCHWEYHE

Kirchweyhe

Im folgenden dokumentieren wir den Aufruf gegen den Naziaufmarsch in Kirchweyhe und sagen: Hin da!

Am 11.05.2013 wollen Neonazis zum nunmehr dritten Mal im niedersächsischen Kirchweyhe, in der Nähe von Bremen, aufmarschieren. Aufgerufen zu der Demonstration hat der norddeutsche Neonazikader Christian Worch mit seiner neuen Partei „Die Rechte“.
Die Neonazis versuchen den Tod von Daniel S. politisch für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und fordern, den Bahnhofsvorplatz nach ihm umzubenennen. Daniel S. wurde am 10.03.2013 am Bahnhof Kirchweyhe während einer körperlichen Auseinandersetzung tödlich verletzt.
Den vermutlichen Tätern werden von Worch und seinen neonazistischen Unterstützern und Unterstützerinnen angebliche „Deutschen-Feindlichkeit“ unterstellt und die „Bio- Deutsche Bevölkerung“ als Zielscheibe für von ihnen sogenannte „Ausländergewalt“ inszeniert. Sie selber stilisieren sich als die „Mutigen“, die sich von einer in der BRD angeblichen herrschenden „political correctness“ nicht den Mund verbieten lassen und die angebliche Wahrheit aussprechen. Hinter diesen Aussagen verbirgt sich jedoch nicht Empathie für die Opfer und Betroffenen von Gewalt, sondern purer Rassismus und faschistische Ideologie.
Bei ihrem ersten Aufmarsch im März konnten die Neonazis fast ungestört durch die kleine Gemeinde ziehen.
Es liegt an uns Antifaschist*innen, dem Nazimob diesmal die Tour zu versauen.

Ein Blick nach Weyhe

Die Zivilgesellschaft und die offiziellen Gemeindevertreter*innen haben sich von Anfang an gegen eine Vereinnahmung des Gedenkens an Daniel S. von rechts gewehrt. Es lässt sich dennoch festhalten, dass die Neonazis mit ihrer Politik lediglich an bereits vorhandene rassistische Ressentiments in der Bevölkerung anknüpfen konnten. Auch bei der offiziellen Mahnwache konnten ca. 50 Vertreter und Vertreterinnen der rechten Szene unbehelligt teilnehmen.
Viele Äußerungen in den einschlägigen sozialen Netzwerken, die sich auf den vermeintlichen Täter beziehen, sprechen eine deutlich deutsche, rassistische Sprache. Auch die Berichterstattung in der Bremer „Bild“-Zeitung hat ihren Anteil an der rassistischen Aufladung der Tat geleistet. Dort wurde die zuständige Journalistin es nicht müde, in ihren Artikeln immer wieder zu betonen, dass der mutmaßliche Täter „Südländer“, bzw. „Türke“ ist.
Dies verdeutlicht, wie normal und verbreitet rassistische Vorstellungen in der deutschen Gesellschaft sind.

Am Fall Weyhe zeigt sich, dass diese Vorstellungen dazu genutzt werden, Deutsche als Opfer darzustellen. Indem der eigene Rassismus quasi umgekehrt wird, um Menschen die deutsch und weiß sind als Opfer „brutaler Ausländergangs“ darzustellen. Dass dieses Phänomen nicht auf die Äußerungen zum Thema Weyhe beschränkt ist, ist spätestens seit den Äußerungen von Familienministerin Schröder zur sogenannten „Deutschenfeindlichkeit“ auf Schulhöfen bekannt.
Solche Art von Umkehrungen führen dazu, den im permanenten Verdacht der Integrationsunwilligkeit stehenden Menschen, deutlich zu machen, dass sie sich der deutschen Mehrheitsgesellschaft unterzuordnen haben. Zudem müssen sie die diversen Zumutungen, die das deutsche sogenannte Ausländerrecht und die deutsche Gesellschaft bereithält, möglichst ohne Widerwillen hinzunehmen.

Biergarten Eden

Rassismus ist Teil der deutschen Gesellschaft, als Denkform und als konkrete Handlung gegenüber den vermeintlich „Fremden“. In dem Zeitraum von 1990 – 2011 zählte die „Amadeu Antonio Stiftung“ 183 Menschen, die von rassistisch und sozialdarwinistisch motivierten Tätern und Täterinnen umgebracht wurden. Die Mordserie des NSU mit den Verstrickungen der zahlreichen Behörden ist trotz der Arbeit vieler Journalisten*innen, Antifaschist*innen und der diversen Untersuchungsausschüsse noch nicht in seinem vollen Ausmaß erfasst.
Tagtäglich verwehrt die Bundesrepublik Deutschland geflüchteten Menschen ein Leben in Sicherheit und Würde. Der deutsche Staat betreibt eine gezielte Stigmatisierung von nicht weißen/ deutschen Personen als Menschen zweiter Klasse, sortiert diese Anhand ihrer ökonomischen Nützlichkeit aus. Die Gesetze, die von den gewählten „Volksvertreter*innen“ quer durch alle Parteien gestaltet und verabschiedet werden, zementieren diese Stigmatisierung und den Ausschluss von Menschen aufgrund ihrer vermeintlichen Herkunft und Hautfarbe.
Das Gerede von der „Deutschenfeindlichkeit“ sorgt dafür, dass sich die Deutschen als Bündnis von Mob und Elite voller Selbstmitleid auf die Schulter klopfen können. Um sich in typisch deutscher Manier als eigentliches „Opfer“ zu fühlen.
Hier gilt es als antifaschistische Linke zu intervenieren und solchen Diskursen direkte Solidarität mit den Betroffenen entgegen zustellen.

Den Naziaufmarsch in Kirchweyhe verhindern

Unser Ziel ist es, den Naziaufmarsch in Kirchweyhe zu verhindern. Der Staat wird jedoch durch seine Exekutive versuchen, alle, die sich nicht an die vorgegebene Protestchoreographie halten, an ihren Aktivitäten zu hindern.
Doch davon sollten wir uns nicht abschrecken lassen. Wir wollen den Aufmarsch verhindern, stören am besten unmöglich machen. Ob das über Blockaden oder andere Aktionsformen geschieht, ist für uns zweitrangig. Es gilt den Neonazis deutlich zu machen, dass sie ihre Aufmärsche nicht ungestört durchführen können, egal wo – egal wann!
Daher beteiligt euch an den Aktionen gegen den Naziaufmarsch! Seid spontan und einfallsreich!

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