Archiv für Oktober 2013

Aktionswochen gegen Antisemitismus

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Im Jahre 2003 initiierte die Amadeu-Antonio-Stifftung erstmals die Aktionswochen gegen Antisemitismus. „Das Ziel dieser Initiative ist es, an vielen Orten gleichzeitig rund um den 9. November ein breites Spektrum von Veranstaltungen gegen Antisemitismus zu organisieren, zu vernetzen und Diskussionen über verschiedene Facetten des Problems zu initiieren.“
Auch in Bremen haben wir neben den beiden Gruppen Associazione Delle Talpe und Caillera drei Veranstaltungen organisiert. Dazu möchten wir euch herzlich einladen.

„Andauernde Umdeutungen – Zur Kritik der Verschwörungsideologie“
Vortrag von Martin Wassermann
Dienstag, 12.11.2013, 19 Uhr
Infoladen Bremen, St.Pauli Straße 10

Eine stetig wachsende Minderheit der Deutschen ist davon überzeugt, dass die Anschläge des 11. September durch eine mysteriöse Verschwörung ausgeführt wurden. Derartige Verschwörungsmythen sind weit verbreitet. Sie sind zugleich wirkungsmächtige Konstrukte, die als Erklärungsmodelle dienen, mit denen die Zustände rationalisiert werden. Dabei wird oftmals eine eine geheime Gruppe ausgemacht, die hinter den sichtbaren Ereignissen die Fäden ziehen soll und welche die geschichtliche Entwicklung in ihrem Sinne beeinflusst. Es handelt sich dabei oftmals um antisemitische Gebilde, mit denen die kapitalistische Realität fast märchenhaft verklärt wird. Auf der Veranstaltung werden aktuelle und historische Verschwörungsmythen präsentiert. Der Autor Martin Wassermann, der sich seit Jahren mit den unterschiedlichen Formen des verschwörungsideologischen Wahns auseinandersetzt, wird verschiedene Weltverklärungsmodelle vorstellen. Es wird dort auch um die Frage gehen, warum derartige Ideologien einem kritischen und emanzipatorischen Denken im Wege stehen.

„Film und Shoah“
Vortrag mit Henrik Götte
Donnerstag, 14.11.2013, 19 Uhr
Infoladen Bremen, St.Pauli Straße 10

Kann die industrielle Judenvernichtung Stoff für Film sein? Oder muss jeder derartige Versuch darin enden das Irrationale zu Rationalisieren und den Schrecken und die Barbarei sogleich zum Stilmittel einer solchen Inszenierung verkommen zu lassen? Ist die Shoah überhaupt “theoretisierbar” oder begreifbar? Es gibt Filme, welche die Shoah thematisieren, aber wie funktionieren sie und können sie im Sinne von Aufklärung wirksam werden? Was hieße das in diesem Zusammenhang überhaupt? Diese Fragen sollen anhand der Beispiele “Shoah” (Claude Lanzmann) und “Schindlers Liste” (Steven Spielberg) diskutiert werden.

„Eskimo Limon 9“
Lesung mit Sarah Diehl
Donnerstag, 05.12.2013, 19 Uhr
Infoladen Bremen, St.Pauli Straße 10

Der Roman erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie, welche von Tel Aviv in die hessische Provinz zieht. Er beschreibt die Reaktionen, welche der Umzug sowohl bei der Dorfgemeinschaft als auch der Kleinfamilie hervorruft. Sarah Diehl arbeitet in ihrem Buch die deutsche Gedenkkultur auf ironische Art und Weise auf, indem sie die tradierten Vorstellungswelten miteinander kollidieren lässt. Sie macht deutlich, dass die Deutschen mitunter einiges über die Judenvernichtung wissen, jedoch kaum etwas über Jüdinnen und Juden. Unwissen und die Leerstellen, welche sich um alles Jüdische ranken werden mittels dieses Buches aufgezeigt und aufgebrochen.

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zu erreichen, die Toilette nicht.

Alle Veranstaltungen der Bremer Aktionswochen gegen Antisemitismus findet ihr hier.