Andauernde Umdeutungen – Zur Kritik der Verschwörungsideologie

Martin Wassermann - Verschwörungsideologie

„Andauernde Umdeutungen – Zur Kritik der Verschwörungsideologie“
Vortrag von Martin Wassermann
Dienstag, 12.11.2013, 19 Uhr
Infoladen Bremen, St.Pauli Straße 10

Eine stetig wachsende Minderheit der Deutschen ist davon überzeugt, dass die Anschläge des 11. September durch eine mysteriöse Verschwörung ausgeführt wurden. Derartige Verschwörungsmythen sind weit verbreitet. Sie sind zugleich wirkungsmächtige Konstrukte, die als Erklärungsmodelle dienen, mit denen die Zustände rationalisiert werden. Dabei wird oftmals eine eine geheime Gruppe ausgemacht, die hinter den sichtbaren Ereignissen die Fäden ziehen soll und welche die geschichtliche Entwicklung in ihrem Sinne beeinflusst. Es handelt sich dabei oftmals um antisemitische Gebilde, mit denen die kapitalistische Realität fast märchenhaft verklärt wird. Auf der Veranstaltung werden aktuelle und historische Verschwörungsmythen präsentiert. Der Autor Martin Wassermann, der sich seit Jahren mit den unterschiedlichen Formen des verschwörungsideologischen Wahns auseinandersetzt, wird verschiedene Weltverklärungsmodelle vorstellen. Es wird dort auch um die Frage gehen, warum derartige Ideologien einem kritischen und emanzipatorischen Denken im Wege stehen.

Der Ver­an­stal­tungs­ort ist bar­rie­re­frei zu er­rei­chen, die Toi­let­te nicht.

Alle Veranstaltungen der Bremer Aktionswochen gegen Antisemitismus findet ihr hier.

Aktionswochen gegen Antisemitismus

aga

Im Jahre 2003 initiierte die Amadeu-Antonio-Stifftung erstmals die Aktionswochen gegen Antisemitismus. „Das Ziel dieser Initiative ist es, an vielen Orten gleichzeitig rund um den 9. November ein breites Spektrum von Veranstaltungen gegen Antisemitismus zu organisieren, zu vernetzen und Diskussionen über verschiedene Facetten des Problems zu initiieren.“
Auch in Bremen haben wir neben den beiden Gruppen Associazione Delle Talpe und Caillera drei Veranstaltungen organisiert. Dazu möchten wir euch herzlich einladen.

„Andauernde Umdeutungen – Zur Kritik der Verschwörungsideologie“
Vortrag von Martin Wassermann
Dienstag, 12.11.2013, 19 Uhr
Infoladen Bremen, St.Pauli Straße 10

Eine stetig wachsende Minderheit der Deutschen ist davon überzeugt, dass die Anschläge des 11. September durch eine mysteriöse Verschwörung ausgeführt wurden. Derartige Verschwörungsmythen sind weit verbreitet. Sie sind zugleich wirkungsmächtige Konstrukte, die als Erklärungsmodelle dienen, mit denen die Zustände rationalisiert werden. Dabei wird oftmals eine eine geheime Gruppe ausgemacht, die hinter den sichtbaren Ereignissen die Fäden ziehen soll und welche die geschichtliche Entwicklung in ihrem Sinne beeinflusst. Es handelt sich dabei oftmals um antisemitische Gebilde, mit denen die kapitalistische Realität fast märchenhaft verklärt wird. Auf der Veranstaltung werden aktuelle und historische Verschwörungsmythen präsentiert. Der Autor Martin Wassermann, der sich seit Jahren mit den unterschiedlichen Formen des verschwörungsideologischen Wahns auseinandersetzt, wird verschiedene Weltverklärungsmodelle vorstellen. Es wird dort auch um die Frage gehen, warum derartige Ideologien einem kritischen und emanzipatorischen Denken im Wege stehen.

„Film und Shoah“
Vortrag mit Henrik Götte
Donnerstag, 14.11.2013, 19 Uhr
Infoladen Bremen, St.Pauli Straße 10

Kann die industrielle Judenvernichtung Stoff für Film sein? Oder muss jeder derartige Versuch darin enden das Irrationale zu Rationalisieren und den Schrecken und die Barbarei sogleich zum Stilmittel einer solchen Inszenierung verkommen zu lassen? Ist die Shoah überhaupt “theoretisierbar” oder begreifbar? Es gibt Filme, welche die Shoah thematisieren, aber wie funktionieren sie und können sie im Sinne von Aufklärung wirksam werden? Was hieße das in diesem Zusammenhang überhaupt? Diese Fragen sollen anhand der Beispiele “Shoah” (Claude Lanzmann) und “Schindlers Liste” (Steven Spielberg) diskutiert werden.

„Eskimo Limon 9“
Lesung mit Sarah Diehl
Donnerstag, 05.12.2013, 19 Uhr
Infoladen Bremen, St.Pauli Straße 10

Der Roman erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie, welche von Tel Aviv in die hessische Provinz zieht. Er beschreibt die Reaktionen, welche der Umzug sowohl bei der Dorfgemeinschaft als auch der Kleinfamilie hervorruft. Sarah Diehl arbeitet in ihrem Buch die deutsche Gedenkkultur auf ironische Art und Weise auf, indem sie die tradierten Vorstellungswelten miteinander kollidieren lässt. Sie macht deutlich, dass die Deutschen mitunter einiges über die Judenvernichtung wissen, jedoch kaum etwas über Jüdinnen und Juden. Unwissen und die Leerstellen, welche sich um alles Jüdische ranken werden mittels dieses Buches aufgezeigt und aufgebrochen.

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zu erreichen, die Toilette nicht.

Alle Veranstaltungen der Bremer Aktionswochen gegen Antisemitismus findet ihr hier.

Rassistischer Eklat oder deutscher Normalzustand?

Antirassistischen Demo, Treffpunkt Bahnhof Vegesack,
Samstag, 10.8.2013 um 11 Uhr

Anfang Juli kam es auf dem Beiratstreffen in Bremen Vegesack zu einem scheinbaren Eklat. In dieser Sitzung sollte über die Unterbringung von 120 Geflüchteten in Mobilbauten abgestimmt werden. Im Verlauf der Diskussion entfaltete sich eine offen aggressive Stimmung, die Sitzung wurde dominiert von rassistischen Wortmeldungen, Andersdenkende wurden niedergebrüllt. Die Unterbringung wurde von der Mehrheit abgelehnt. Die in der Sitzung bedienten rassistischen Ressentiments gegenüber Asylsuchenden standen dabei gängigen Stammtischparolen in nichts nach.

Zentrales Anliegen war und ist nicht die Suche nach der bestmöglichen Unterbringung von Menschen, sondern vielmehr treten Vorurteile und Ängste gegenüber den vermeintlich Anderen in den Vordergrund. Diese äußern sich in den allseits bekannten Phrasen, die Unterbringung von Asylsuchenden würde mit einem Anstieg der Kriminalität einhergehen.
Der zuvor beschauliche Ort würde unruhiger, dreckiger und hätte plötzlich ein Drogenproblem. Diese Annahmen gehen Hand in Hand mit der Befürchtung, dass die Lebensqualität im Stadtteil sinke und die eigene Immobilie nichts mehr wert sei. Zudem hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass die Asylsuchenden zu viel staatliche Zuwendung erhalten, während die einheimischen Deutschen benachteiligt würden. So werden die Ursachen der eigenen Ängste, beispielsweise vor dem sozialen Abstieg, auf die vermeintlich Anderen projiziert.

Wann immer solche Debatten geführt werden, ist es allen Beteiligten wichtig einleitend zu betonen, dass sie keinesfalls rechts seien und keine Vorurteile hegten. Diese Einleitung dient der eigenen Absicherung nun den Ressentiments freien Lauf lassen zu können. Pauschal wird eine homogene, mit negativen Eigenschaften besetzte Fremdgruppe konstruiert, die der Eigenen in einem Dualismus von Gut und Böse gegenübersteht. Individuelle Biographien, wie das vorherige Leben und möglicherweise traumatische Fluchterfahrungen werden nicht berücksichtigt.

Ebenso wenig findet die deutsche Migrationspolitik Eingang in die Diskussion. Unbeachtet der Tatsache, dass der deutsche Staat versucht die Geflüchteten schnellstmöglich wieder abzuschieben, wird der Eindruck erweckt, es gäbe eine massenhafte Migration nach Deutschland. Tatsächlich erhält nur ein verschwindend geringer Teil dieser Menschen – nach einem extrem restriktiven und juristisch aufwendigem Prozess – Asyl.
Bis dato werden die meisten Geflüchteten auf unabsehbare Zeit in Sammelunterkünften untergebracht in denen sie unter menschenunwürdigen Bedingungen ausharren müssen. Zudem zeigt sich bei der Betrachtung des deutschen und europäischen Verständnisses von Migration, dass Menschen vor allem nach ihrer ökonomischen Verwertbarkeit eingeteilt und verwaltet werden.

Unsere Kritik beschränkt sich nicht nur auf die europäische Migrationspolitik, Politiker_innen und Akteur_innen innerhalb der Beiratssitzung. Genauso ist es unser Anliegen die rassistischen Strukturen und Einstellungen der deutschen Gesellschaft kenntlich zu machen. Wir verorten Rassismus nicht nur am gesellschaftlichen Rand, wie etwa bei Neonazis oder Rechtspopulist_innen der „Bürger in Wut“, sondern verstehen ihn als ein alltägliches und dauerhaftes Herrschaftsverhältnis.
Rassismus umfasst die Diskriminierung einer Minderheit an Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe sowie religiöser oder ethnischer Zuschreibungen durch eine (zumeist weiße) Mehrheitsgesellschaft. Rassistische Ideologie reproduziert sich dabei als Idee einer Ordnung durch Sprache und alltägliche Handlungen. Dies geschieht zum einen, um sich einer vermeintlichen Überlegenheit der eigenen, konstruierten Gemeinschaft (oftmals Volk, Nation oder gar Rasse genannt) zu vergewissern und zum anderen, um sich eine privilegierte Position auf dem Arbeitsmarkt sowie innerhalb der Gesellschaft zu erhalten.
In Zeiten von einer Gesellschaft die vorgibt aus der Vergangenheit gelernt zu haben, sind vermeintlich biologische Zuschreibungen im öffentlichen Diskurs weitest gehend tabuisiert. Kulturelle Zuschreibungen erfahren dagegen vermehrt Zuspruch. Auch innerhalb linker Bewegungen, erfreuen sich diese kulturalistischen Argumentationsmuster zum Teil einer gewissen Beliebtheit. Am Ende werden durch Zuschreibungen Menschen homogenisiert, ihnen werden angeblich unveränderliche Wesensmerkmale zu oder abgesprochen. Das Subjekt wird so zwangsweise kollektiviert.

Sprechen wir in der Bundesrepublik Deutschland von Rassismus und aktuellen rassistischen Geschehnissen, so kann dies nicht losgelöst von der nationalsozialistischen Barbarei und ihren Millionen Opfern geschehen.
Auch nach 1945 steht die deutsche Gesellschaft in dieser rassistischen Kontinuität – die ihre sichtbarsten Ausbrüche in den tagelangen Pogromen in Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda und Mannheim fanden.1

Die Pogrome waren dabei kein Einzelfall, sondern stehen stellvertretend für das rassistisch-nationalistische Gesellschaftsklima der 90er Jahre. Die damals bedienten rassistischen Argumentationsmuster, treten in den aktuellen Diskursen um Unterkünfte für Geflüchtete in Leipzig, Berlin oder eben Bremen wieder deutlich hervor.
Dieser Zusammenhang verdeutlicht, dass es sich bei der Beiratssitzung in Vegesack weniger um einen Eklat, als um einen erneuten Ausbruch des deutschen rassistischen Normalzustands handelt.

Für eine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit aller Menschen:
Reißt alle Grenzen ein! Den rassistischen Normalzustand angreifen!

Gruppe [c]³ und Antifaschistische Gruppe Bremen [AGB]

  1. 1 Für eine weitere Auseinandersetzung mit Migrationspolitik und Rassismus siehe den Text „Rassismus tötet“ anlässlich der Demonstration in Rostock-Lichtenhagen: Rassismus tötet! [zurück]

Fight Racism now – Solidarität mit den Geflüchteten !

Im folgenden dokumentieren wir den Aufruf zur Antirassistischen Demo in Bremen Vegesack und rufen alle dazu auf, ein Zeichen gegen den rassistischen Normalzustand zu setzen.

Fight Racism now – Solidarität mit den Geflüchteten !
Aufruf zur Antirassistischen Demo, Treffpunkt Bahnhof Vegesack, Samstag, 10.8.2013 um 11 Uhr

Was geschah?
In Bremen Vegesack wurde am 4.7.2013 auf Antrag der Bürger in Wut (BIW), CDU und FDP eine Sondersitzung des Ortsbeirats einberufen. Das Ziel war, die Einrichtung von Mobilbauten für Geflüchtete im Stadtteil zu verhindern. Dem Aufruf folgten zahlreiche Vegesacker_innen und äußerten sich mehrheitlich rassistisch und menschenverachtend. „Der Bunker Valentin ist groß genug“, rief einer begleitet von höhnischem Gelächter. Die Mauer am Fährer Flur zum angrenzenden Schwimmbad sei “natürlich von Vorteil”, wenn damit Geflüchtete abgegrenzt würden, „Ich als Deutscher bin nicht mehr offen für Integration“ und es wurde „Solidarität mit den deutschen Kindern“ verlangt.

In verteilten Rollen brachten Beiräte und Bürger_innen ihre grundsätzliche Ablehnung gegen Geflüchtete zum Ausdruck und ernteten dafür reichlich Beifall. Es konnten selbst Nazi-Parolen wie „Arbeit macht frei“ geraunt werden. Wer das, wie Beiratsmitglied Sabri Kurt, kritisierte, wurde niedergebrüllt. Beiratsmitglied Cord Degenhard von den „Bürgern in Wut“ fühlte sich „ausgesprochen wohl“.

Die Sitzung beschloss mit den Stimmen von BIW, CDU, FDP und SPD die geplante Unterbringung abzulehnen und endete damit, dass Degenhard mit einem Volksaufstand drohte: „Wenn Sie das weiter durchziehen, dann gibt es nicht nur einen Platz in Istanbul, dann gibt es auch einen Sedanplatz.“

Brandreden und Brandsätze

Es ist kaum 20 Jahre her, dass in der Bundesrepublik Wohnhäuser von Migrant_innen und Unterkünfte von Asylsuchenden fast täglich brannten. Die Angriffe der 1990er waren die mörderische Begleitung einer rassistischen Kampagne gegen Asylsuchende, die von fast allen Parteien und den meisten Medien getragen wurde. Seit 1990 wurden in der BRD über 180 Menschen durch rechte und rassistische Gewalt umgebracht. Erst letztes Jahr gab es in Bremen einen Brandanschlag auf ein Wohnhaus in Woltmershausen.

Wer sich laut pöbelnd und rassistisch gegen die Unterbringung von Asylsuchenden ausspricht, nimmt billigend in Kauf, dass zu körperlicher Gewalt und Brandsätzen gegriffen wird – oder ruft sogar dazu auf. Menschen auf der Suche nach einem sicheren Ort werden als Belästigung wahrgenommen oder gar zu einer Bedrohung gemacht.

Ein gutes Leben für alle?
Die Gründe, wieso Menschen migrieren, sind vielfältig: Menschen fliehen vor politischer und sozialer Verfolgung, Armut, geschlechtsspezifischer Gewalt oder Kriegen. Sie versuchen, sich vor den desaströsen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen einer Politik und Wirtschaftsweise in Sicherheit zu bringen, deren Zweck die Profitmaximierung ist. Diese bringt hervor, dass wenige in Wohlstand und die Mehrheit in Armut, Abhängigkeit und Unsicherheit leben. Es ist die selbe kapitalistische Wirtschaftsweise, die in der Bundesrepublik dazu geführt hat, dass in den letzten Jahren über 25 % aller Arbeitnehmer_innen für einen Niedriglohn arbeiten und ebenso wie Erwerbslose kaum mehr genug Geld zum Leben haben.

Flucht ist auch ein Ausdruck des Wunsches nach einem guten Leben. Wir solidarisieren uns mit dieser Forderung und finden es selbstverständlich, dass alle Menschen den gleichen Zugang zu den Ressourcen für ein solches Leben haben sollten – wie z.B. eine gute Wohnung. Deshalb lehnen wir die zwangsweise Unterbringung von Menschen in Sammelunterkünften generell ab und fordern gute Wohnungen und Bleiberecht für alle.

In den aktuellen rassistischen Mobilisierungen wie in Vegesack, Gröpelingen, Obervieland, Berlin-Hellersdorf usw. sehen wir eine reale Gefahr.

Wir fordern alle auf, sich aktiv und entschieden gegen Rassismus zu positionieren und gemeinsam mit antifaschistischen und antirassistischen Initiativen die aktuellen Kämpfe der Flüchtlinge gegen die menschenfeindliche Asylpolitik zu unterstützen!

Für eine Gesellschaft, in der jede_r gut leben kann – überall !


Bündnis „Solidarität mit den Geflüchteten!“

AUFRUF GEGEN DEN NAZIAUFMARSCH IN KIRCHWEYHE

Kirchweyhe

Im folgenden dokumentieren wir den Aufruf gegen den Naziaufmarsch in Kirchweyhe und sagen: Hin da!

Am 11.05.2013 wollen Neonazis zum nunmehr dritten Mal im niedersächsischen Kirchweyhe, in der Nähe von Bremen, aufmarschieren. Aufgerufen zu der Demonstration hat der norddeutsche Neonazikader Christian Worch mit seiner neuen Partei „Die Rechte“.
Die Neonazis versuchen den Tod von Daniel S. politisch für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und fordern, den Bahnhofsvorplatz nach ihm umzubenennen. Daniel S. wurde am 10.03.2013 am Bahnhof Kirchweyhe während einer körperlichen Auseinandersetzung tödlich verletzt.
Den vermutlichen Tätern werden von Worch und seinen neonazistischen Unterstützern und Unterstützerinnen angebliche „Deutschen-Feindlichkeit“ unterstellt und die „Bio- Deutsche Bevölkerung“ als Zielscheibe für von ihnen sogenannte „Ausländergewalt“ inszeniert. Sie selber stilisieren sich als die „Mutigen“, die sich von einer in der BRD angeblichen herrschenden „political correctness“ nicht den Mund verbieten lassen und die angebliche Wahrheit aussprechen. Hinter diesen Aussagen verbirgt sich jedoch nicht Empathie für die Opfer und Betroffenen von Gewalt, sondern purer Rassismus und faschistische Ideologie.
Bei ihrem ersten Aufmarsch im März konnten die Neonazis fast ungestört durch die kleine Gemeinde ziehen.
Es liegt an uns Antifaschist*innen, dem Nazimob diesmal die Tour zu versauen.

Ein Blick nach Weyhe

Die Zivilgesellschaft und die offiziellen Gemeindevertreter*innen haben sich von Anfang an gegen eine Vereinnahmung des Gedenkens an Daniel S. von rechts gewehrt. Es lässt sich dennoch festhalten, dass die Neonazis mit ihrer Politik lediglich an bereits vorhandene rassistische Ressentiments in der Bevölkerung anknüpfen konnten. Auch bei der offiziellen Mahnwache konnten ca. 50 Vertreter und Vertreterinnen der rechten Szene unbehelligt teilnehmen.
Viele Äußerungen in den einschlägigen sozialen Netzwerken, die sich auf den vermeintlichen Täter beziehen, sprechen eine deutlich deutsche, rassistische Sprache. Auch die Berichterstattung in der Bremer „Bild“-Zeitung hat ihren Anteil an der rassistischen Aufladung der Tat geleistet. Dort wurde die zuständige Journalistin es nicht müde, in ihren Artikeln immer wieder zu betonen, dass der mutmaßliche Täter „Südländer“, bzw. „Türke“ ist.
Dies verdeutlicht, wie normal und verbreitet rassistische Vorstellungen in der deutschen Gesellschaft sind.

Am Fall Weyhe zeigt sich, dass diese Vorstellungen dazu genutzt werden, Deutsche als Opfer darzustellen. Indem der eigene Rassismus quasi umgekehrt wird, um Menschen die deutsch und weiß sind als Opfer „brutaler Ausländergangs“ darzustellen. Dass dieses Phänomen nicht auf die Äußerungen zum Thema Weyhe beschränkt ist, ist spätestens seit den Äußerungen von Familienministerin Schröder zur sogenannten „Deutschenfeindlichkeit“ auf Schulhöfen bekannt.
Solche Art von Umkehrungen führen dazu, den im permanenten Verdacht der Integrationsunwilligkeit stehenden Menschen, deutlich zu machen, dass sie sich der deutschen Mehrheitsgesellschaft unterzuordnen haben. Zudem müssen sie die diversen Zumutungen, die das deutsche sogenannte Ausländerrecht und die deutsche Gesellschaft bereithält, möglichst ohne Widerwillen hinzunehmen.

Biergarten Eden

Rassismus ist Teil der deutschen Gesellschaft, als Denkform und als konkrete Handlung gegenüber den vermeintlich „Fremden“. In dem Zeitraum von 1990 – 2011 zählte die „Amadeu Antonio Stiftung“ 183 Menschen, die von rassistisch und sozialdarwinistisch motivierten Tätern und Täterinnen umgebracht wurden. Die Mordserie des NSU mit den Verstrickungen der zahlreichen Behörden ist trotz der Arbeit vieler Journalisten*innen, Antifaschist*innen und der diversen Untersuchungsausschüsse noch nicht in seinem vollen Ausmaß erfasst.
Tagtäglich verwehrt die Bundesrepublik Deutschland geflüchteten Menschen ein Leben in Sicherheit und Würde. Der deutsche Staat betreibt eine gezielte Stigmatisierung von nicht weißen/ deutschen Personen als Menschen zweiter Klasse, sortiert diese Anhand ihrer ökonomischen Nützlichkeit aus. Die Gesetze, die von den gewählten „Volksvertreter*innen“ quer durch alle Parteien gestaltet und verabschiedet werden, zementieren diese Stigmatisierung und den Ausschluss von Menschen aufgrund ihrer vermeintlichen Herkunft und Hautfarbe.
Das Gerede von der „Deutschenfeindlichkeit“ sorgt dafür, dass sich die Deutschen als Bündnis von Mob und Elite voller Selbstmitleid auf die Schulter klopfen können. Um sich in typisch deutscher Manier als eigentliches „Opfer“ zu fühlen.
Hier gilt es als antifaschistische Linke zu intervenieren und solchen Diskursen direkte Solidarität mit den Betroffenen entgegen zustellen.

Den Naziaufmarsch in Kirchweyhe verhindern

Unser Ziel ist es, den Naziaufmarsch in Kirchweyhe zu verhindern. Der Staat wird jedoch durch seine Exekutive versuchen, alle, die sich nicht an die vorgegebene Protestchoreographie halten, an ihren Aktivitäten zu hindern.
Doch davon sollten wir uns nicht abschrecken lassen. Wir wollen den Aufmarsch verhindern, stören am besten unmöglich machen. Ob das über Blockaden oder andere Aktionsformen geschieht, ist für uns zweitrangig. Es gilt den Neonazis deutlich zu machen, dass sie ihre Aufmärsche nicht ungestört durchführen können, egal wo – egal wann!
Daher beteiligt euch an den Aktionen gegen den Naziaufmarsch! Seid spontan und einfallsreich!

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